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Schutz der europäischen Stahlindustrie vor globalen Überkapazitäten
Bild: Esteban González Pons, Vizepräsident des Europäischen Parlaments, während der
Plenarsitzung zum Thema Stahl. © European Union 2026 - Source: EP / Laurie Dieffembacq.
Die europäische Stahlindustrie steht massiv unter Druck. Globale Überkapazitäten, unfaire Handelspraktiken und die Umlenkung billiger Stahlimporte auf den europäischen Markt gefährden Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen und Arbeitsplätze in Europa. Daher haben wir, die Abgeordneten des Europäischen Parlaments, am Dienstagmittag über neue europäische Schutzmaßnahmen abgestimmt, mit denen die Europäische Union besser auf diesen Druck reagieren kann.
Die bisherigen Schutzinstrumente laufen am 30. Juni 2026 aus. Sie galten seit 2018 im Rahmen des Übereinkommens der Welthandelsorganisation (WTO) und konnte nicht erneut verlängert werden. Europa braucht ein modernes und wirksames Nachfolgesystem, um seine industrielle Basis zu schützen.
Die Europäische Kommission hatte ihren Vorschlag zum Schutz der europäischen Stahlindustrie im Oktober 2025 im Rahmen des EU Steel and Metals Action Plans vorgelegt. Im April 2026 hatten sich Europäisches Parlament und Rat auf einen finalen Gesetzestext geeinigt.
Die neue Verordnung wurde im Plenum mit 606 Stimmen bei 16 Gegenstimmen und 39 Enthaltungen angenommen. Sie stärkt die Möglichkeiten der Europäischen Union, schneller auf den steigenden Importdruck zu reagieren und Marktverwerfungen besser zu begrenzen. Gleichzeitig sollen Herkunft und Lieferketten von Stahlimporten transparenter werden. Mit dem Nachweis durch die neue „Melt-and-Pour“-Regel soll künftig nachvollziehbar sein, wo Stahl tatsächlich produziert wurde. Ergänzende Bestimmungen betreffen den Umgang mit Stahlimporten aus Russland und Belarus sowie besondere Regelungen für die Ukraine.
Darüber hinaus berücksichtigt die Regelung ausdrücklich die Sicherheits- und Verteidigungsinteressen der Europäischen Union. Eine leistungsfähige, europäische Stahlindustrie ist nicht nur von wirtschaftspolitischer Relevanz, sondern auch zentral für unsere Infrastruktur, Verteidigungsfähigkeit und Europas strategische Resilienz. Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten muss Europa seine industrielle Basis schützen und stärken.
Link zur Pressemitteilung: Parlament billigt neue Maßnahmen zum Schutz des EU-Stahlmarktes vor Überkapazitäten: https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20260513IPR43305/neue-massnahmen-zum-schutz-des-eu-stahlmarktes-vor-uberkapazitaten
Link zur Pressemitteilung der CDU/CSU Gruppe in der EVP-Fraktion im EP: Radtke und Ehler – Europa stärkt Handelsschutz für Stahlindustrie: https://www.cducsu.eu/artikel/radtke-und-ehler-europa-staerkt-handelsschutz-fuer-stahlindustrie
Link zu weiteren Informationen: Auf einen Blick (PDF zum Download): Bekämpfung der globalen Überkapazitäten im Stahlsektor der EU: https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/ATAG/2026/785752/EPRS_ATA(2026)785752_DE.pdf